»Andere Freunde sind eher nicht Klassik-orientiert«

Kanoko, Sophia und Charlotte: Nachwuchsmusikerinnen sind Fans von Pop und Hip-Hop, aber auch von Beethoven und Co. – Auftritt mit Profiorchester am 26. September

Gerade mal zwischen 14 und 17 Jahre sind sie alt – und spielen schon in einem Profiorchester mit: Charlotte Steck, Sophia Wilpert und Kanoko Anjiki aus Lohr und Aschaffenburg sind am 26. September beim »Cinemusic« Konzert des Philharmonischen Vereins in der Aschaffenburger Stadthalle zu hören. Sie mögen nicht nur Hip-Hop, sondern sind auch Fans von Chopin, Beethoven und Co. Im Interview mit Redakteurin Julie Hofmann sprechen die Musikerinnen auch darüber, was die Zuhörer beim Konzert erwartet.  

Main-Echo / JULIE HOFMANN


Gerade mal zwischen 14 und 17 Jahre sind sie alt – und spielen schon in einem Profiorchester mit: Charlotte Steck, Sophia Wilpert und Kanoko Anjiki aus Lohr und Aschaffenburg sind am 26. September beim »Cinemusic« Konzert des Philharmonischen Vereins in der Aschaffenburger Stadthalle zu hören. Sie mögen nicht nur Hip-Hop, sondern sind auch Fans von Chopin, Beethoven und Co. Im Interview mit Redakteurin Julie Hofmann sprechen die Musikerinnen auch darüber, was die Zuhörer beim Konzert erwartet. 



Seit wann kennt ihr drei euch?  Sophia: Charlotte und ich waren seit der achten in der gleichen Klasse und haben die gleiche Oboenlehrerin. 

Also seid ihr zwei befreundet? Charlotte und Sophia: Ja (lächeln). 

Und Kanoko, seit wann kennst du Charlotte und Sophia? Kanoko: Wir haben uns heute erst kennengelernt (alle lachen). 

Wow! Heute erst? Habt ihr also noch nicht miteinander geprobt? Das Konzert ist ja schon recht bald ...  Charlotte: Nein, es gibt nur zwei, drei Proben vor dem Konzert. Die erste ist am 20. September.

Was hört ihr gerne so für Musik, welche Rolle spielt die klassische Musik bei euch? Charlotte: Ich höre oft modernere Sachen wie Pop, Hip-Hop oder RnB. Ich höre aber tatsächlich manchmal auch gerne klassische Musik. Ich finde, das ist entspannend. Zum Beispiel, wenn man nebenbei noch was macht, lernt oder so. Chopin höre ich ziemlich gerne. Sophia: Eigentlich höre ich moderne Musik, aber oft höre ich auch Klassik aufYouTube. Mein Lieblingskomponist ist auch Chopin oder Beethoven. Die Stücke, die ich selber spiele, höre ich ganz oft an – wie zum Beispiel jetzt »Tristan und Isolde«, das ich mit dem Orchester spiele.  Kanoko: Bei mir ist es ähnlich, ich höre meist klassische Musik, wenn ich sie selber spiele. Ich habe nicht konkret einen Lieblingskomponisten, aber ich höre gerne Mozart und Bach finde ich auch schön. Und Stücke, in denen es viele Geigen-Soli gibt – als Inspiration.

Habt ihr in der Schule Freunde gefunden, die einen ähnlichen Musikgeschmack haben?  Charlotte: Ich hatte das Glück, dass Sophia in meiner Klasse war, weil sie ähnliche Interessen hat. Aber andere Freunde sind eher nicht Klassik-orientiert. Ich bin da die Einzige, in meinem Umfeld spielen nicht viele Instrumente, was ich sehr schade finde. Deswegen finde ich es so schön, wenn man in einem jungen Orchester zusammenkommt und junge Leute trifft, die die gleichen Interessen haben wie man selbst.  Sophia: Bei mir ist es genauso. Meine Freunde – außer Charlotte – haben nichts mit klassischer Musik oder generell mit Musik und Instrumenten zu tun. Aber ich denke, dass viele in meiner neuen Schule damit zu tun haben.  Kanoko: Ich bin auf einer musischen und sprachlichen Schule. Meine Klasse ist rein musisch, deswegen spielen alle Instrumente. 

Habt ihr schon mal einen blöden Kommentar gehört wegen eurer Begeisterung für die Musik? Alle: Nein. Sophia: Meine Freunde finden es eher cool, dass ich Interesse daran habe. 

Was ist die Herausforderung an euren Instrumenten? Ist die Oboe ein schwieriges Instrument?  Charlotte: Ja. Es hat sehr lange gedauert, bis sich da ein schöner Klang bildet. Am Anfang klingt es echt nicht gut. Es braucht Zeit und viel, viel Übung.  Das Schwierige ist wahrscheinlich weniger das Greifen als vielmehr der Ansatz, oder? Man erzeugt den Ton ja mithilfe von zwei Holzblättchen. Sophia: Ja. Am Anfang klingt es überhaupt nicht gut, da könnte man nirgendwo mitspielen (lacht). Wenn der Ton dann gut klingt, muss man trotzdem noch viel üben. Vor allem vom Ansatz her, denn wenn man im Orchester längere Passagen spielen muss, braucht man viel Luft dafür.  Und was ist die Herausforderung bei der Geige? Kanoko: Ich glaube, die Intonation ist schwierig, weil man die Töne selbst finden muss, indem man die Finger richtig aufsetzt. Und auch die Koordination von der rechten und linken Hand, da sie ganz unterschiedliche Funktionen für den Klang haben. Aber man findet das raus. 

Was macht ihr beim »Cinemusic«-Konzert? Ihr seid mit euren Lehrerinnen auf der Bühne, oder?  Sophia: Ja. Wir spielen jeweils die zweite Oboe. Unsere Lehrerin spielt die erste Stimme.  Kanoko: Ich bin bei der ersten Geige mit dabei, ich spiele meist den gleichen Part wie meine Lehrerin. 

Ein paar Hundert Leute werden euch bestimmt zuhören. Seid ihr schon aufgeregt?  Kanoko: Jetzt grad bin ich noch nicht aufgeregt (lacht). Aber ich glaube, im Orchester zu spielen ist etwas anderes, als wenn man alleine spielt. Ich spiele das Stück oft zusammen mit meiner Lehrerin im Unterricht und ich habe gemerkt, dass es schwierig ist, sich dem Klang anzupassen, um nicht herauszustechen. Im Orchester bestimmt noch mehr, man muss ja als Gruppe wie ein Instrument klingen. Ich glaube, es ist auch nicht so leicht, schnell wieder reinzukommen, wenn man rausfliegt.  Charlotte: Bei der Oboe sind wir nur zu zweit, da hört man einen schon sehr stark. Vor so vielen Menschen – das ist schon sehr aufregend.  Sophia: Vor allem sind das ja alles professionelle Musiker im Orchester, da muss ja eigentlich schon bei den Proben alles perfekt klappen. Ich finde am schwierigsten, dass man die Einsätze zur richtigen Zeit findet und dann spielt, wenn man spielen soll. Bei der Oboe hat man manchmal 20 Takte Pause und dann nur ein paar Noten zu spielen und dann wieder Pause.  Charlotte: Man hat auch teils irrationale Ängste, dass man keinen Ton mehr rauskriegt oder dass man plötzlich ein Blackout hat. Die Aufregung kriegt man nie weg. Die Tempowechsel sind auch eine Herausforderung. Deswegen ist es gut, wenn man ein Stück gut im Ohr hat.  Also hört ihr die Stücke quasi in Dauerschleife? Kanoko: Ich höre »Die Toteninsel« schon sehr oft. Ich habe auch versucht, dazu zu spielen, habe aber nur mich selber gehört (lacht). 

Was könnt ihr vorab über die Stücke verraten, die ihr spielt?  Kanoko: Charlotte und ich spielen »Die Toteninsel« von Rachmaninow. Ich finde das Stück richtig schön, ich habe es mir zum Üben angehört. Ich dachte, es ist ein leises Stück, aber es gibt richtig dramatische Stellen.  Charlotte: Es war anfangs ein bisschen schwierig, sich reinzufinden, weil »Die Toteninsel« eine düstere Stimmung hat und die Rhythmen teilweise kompliziert sind. Aber ich finde es sehr schön.  Sophia: Ich finde, bei »Tristan und Isolde« ist es eine sehr angespannte Stimmung. Es gibt einen Spannungsaufbau, es geht ja um eine Liebesgeschichte und ist sehr emotional. 

Habt ihr Lieblingsstellen?  Charlotte: Bei Rachmaninow ist es ein stetiger Aufbau. Bei der dramatischen Stelle gibt es sehr schöne und energische Passagen, die spiele ich sehr gerne. Kanoko: Die dramatische Stelle ist bei uns Geigen die ganz hohe Stelle. Die übe ich am meisten, weil die am schwierigsten ist. Ich finde auch den Anfang richtig schön, dass es sich so aufbaut, dass da mehr und mehr Instrumente dazukommen.  Charlotte: Auf dem Bild mit der Toteninsel sieht man ein Boot, das steuert auf die Insel zu, dann wird es immer dramatischer, bis sich das Boot wieder entfernt.  Sophia: Ich finde bei »Tristan und Isolde« das Ende am schönsten, den Liebestod. Die letzten fünf Minuten klingen richtig schön, da spielt das ganze Orchester. 

Werdet ihr nach dem Konzert weiterhin beim philharmonischen Orchester mitmachen?  Charlotte: Wir können öfters mitmachen. Aber jetzt machen wir erstmal ein Konzert und gucken dann weiter. 

Gibt es sonst schon Zukunftspläne? Sophia, du hast die Schule gewechselt und gehst jetzt auf ein Gymnasium in Würzburg und nicht mehr nach Lohr. Warum?  Sophia: Den musischen Zweig gibt es bei uns auf der Schule nicht. Als Leistungsfach wählt dort keiner Musik. Ich kenne das Matthias-Grünewald-Gymnasium durch Jugend musiziert, das hat mir gefallen. Ich bin dort dann im Internat, weil der Zug oft Verspätung hat oder ausfällt, da hätte ich Angst, dass ich nicht zur Schule komme oder nach Hause. 

Aber ist das nicht traurig für deine und Charlottes Freundschaft? Charlotte: Ja.  Sophia: Wir hatten auch immer Mittwoch hintereinander Oboenunterricht gehabt und manchmal haben wir das auch zusammengelegt und zusammen Oboe gespielt, das geht so leider nicht mehr. 

Will eine von euch Musik studieren?  Sophia: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich ziehe es in Betracht. Deswegen habe ich die Schule gewechselt. Beim Studieren gibt es eine Aufnahmeprüfung, da ist der musische Zweig eine gute Vorbereitung. Wenn, dann würde ich Oboe studieren. Bei Klavier ist die Konkurrenz einfach zu groß.  Charlotte: Ich habe noch zwei Jahre bis zum Abitur und halte mir vieles offen. Die Musik will ich mindestens als Hobby beibehalten, aber vielleicht mache ich das auch beruflich – im Orchester spielen, selbst Unterricht geben. Dann auch auf der Oboe, denn sie ist ein relativ seltenes Instrument. Kanoko: Ich will gerne was mit Musik machen, vielleicht Geigenlehrerin. Aber es gibt auch so viele andere Berufe und Wege. Ich lege das noch nicht so fest. 

Hintergrund: Konzertprogramm und Name Das Konzert »Cinemusic 2026« findet am Samstag, 26. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Aschaffenburg statt. Es steht unter dem Motto »Großes Kino für die Ohren«. Die Leitung hat Chefdirigent Michael Millard inne. Alexandra Kieser rezensierte 2024 das jüngste »Cinemusic«-Konzert in der Stadthalle Aschaffenburg. Ihr einziger Kritikpunkt war, dass der Name »Cinemusic« etwas irreführend sei. »Trotz großartiger Musikauswahl bleibt der eigentliche thematische Aufhänger, der Film, deutlich auf der Strecke.« Unser Medienhaus hat den Vorsitzenden des Philharmonischen Vereins Aschaffenburg, Carsten Schumacher, darauf angesprochen, denn auch dieses Jahr stehen keine Stücke aus der Filmbranche auf dem Programm. Schumacher verweist auch auf einen Newsletter des Philharmonischen Vereins. Darin heißt es: »Die GEMA hat ihre Gebühren in den letzten Jahren vervielfacht. Damit sind Aufführungen mit Filmmusik heute nahezu unbezahlbar.« Nur Werke von Komponisten, die vor über 70 Jahren verstorben sind, seien lizenzfrei. Beim letzten Mal, als man Soundtracks von Kinofilmen spielte, sei nachträglich eine hohe Rechnung angefallen. »Mein Traum wäre ein Abend nur mit John Williams, aber es funktioniert nicht mehr«, so Schumacher. Auf die Frage, ob der Konzerttitel geändert werden sollte, sagt er: »Da sind wir in der Diskussion. Es hängt davon ab, wie die Resonanz ist.« Laut Schumacher gibt es in der Stadthalle 1100 Sitzplätze. Karten für das Konzert im September seien noch in allen Preiskategorien erhältlich.  In der Ankündigung des Vereins heißt es, dass ausschließlich »überaus ausdrucksstarke romantische Werke« erklingen werden. So wird unter anderem die 6. Symphonie – »Pathétique« – von Peter Iljitsch Tschaikowsky gespielt. Auch Musik aus Richard Wagners Oper »Tristan und Isolde« steht auf dem Programm. Ebenfalls wird »Die Toteninsel« von Sergej Rachmaninow erklingen. Er ließ sich dafür von einem Bild des Schweizer Malers Arnold Böcklin inspirieren. Auf dem Gemälde sieht man eine Felseninsel mit Zypressen und Grabkammern, auf die ein Ruderer mit einem Sarg zusteuert. In düsteren Klangfarben habe Rachmaninow diese Atmosphäre umgesetzt. (juh) 

Zu den Personen: Sophia, Charlotte, Kanoko Für das Konzert »Cinemusic« fördert der Philharmonische Verein Aschaffenburg über die Orchester-Akademie hochbegabte Jugendliche, heißt es auf der Webseite. Ende September werden die drei jungen Frauen mit ihren Lehrerinnen musizieren: Sophia Wilpert sowie Charlotte Steck mit Flavia Käfer und Kanoko Anjiki mit Barbara Pöggeler-Möller. Die Lehrerinnen hatten Kontakt zum Verein hergestellt und üben mit ihren Schülerinnen seit mehreren Monaten für den Auftritt.  

Sophia Wilpert

Sophia ist 17 Jahre alt, sie wurde in Würzburg geboren und wuchs in Lohr auf. Mit fünf Jahren begann sie mit Blockflöte. Seit 2016 spielt sie Klavier. Ein Jahr später begann sie mit Oboenunterricht. Eine Station war die Junge Philharmonie Würzburg in den Osterferien 2025. Sophia war auch bei der Junior Bigband der Städtischen Musikschule Lohr dabei. Beim Wettbewerb »Jugend musiziert« nimmt Sophia regelmäßig erfolgreich teil. Zudem wurde sie in den Exzellenzzweig ihrer neuen Schule, dem Matthias-Grünewald-Gymnasium in Würzburg, aufgenommen. Zuvor besuchte sie wie Charlotte das Erthal-Gymnasium in Lohr.

Charlotte Steck

Charlotte ist 16 Jahre alt. Sie wurde in Passau geboren und wohnt in der Nähe von Lohr. Sie geht in die zwölfte Klasse des Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasiums in Lohr. Seit 2017 erhält sie Oboenunterricht. Seit 2019 ist sie regelmäßige Jugend-Musiziert-Preisträgerin auf Regional- und Landesebene, heißt es im Netz  – und zwar als Solistin sowie kammermusikalisch, unter anderem im Oboen-Duo mit Sophia. Orchestererfahrung sammelte Charlotte im Bezirksjugendsinfonieorchester Unterfranken. Zusätzlich spielt Charlotte Klavier und Querflöte.

Kanoko Anjiki

Kanoko ist 14 Jahre alt und geht in die neunte Klasse des Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasiums, wo sie im Schulorchester mitspielt. Laut der Webseite des Vereins wurde sie in Japan geboren. Als sie fünf Jahre alt war, zog ihre Familie nach Aschaffenburg. Kanoko war in einem Projektorchester unter anderem 2024 bei Mozarts »Zauberflöte« Konzertmeisterin. Sie stand als Stimmführerin am Pult. Die Stücke wurden in einer vereinfachten Fassung aufgeführt. Beim bayerischen Landeswettbewerb »Jugend Musiziert« 2025 erreichte Kanoko den zweiten Preis in der Wertung für Violine solo. Seit mehreren Jahren nimmt sie auch Klavierunterricht.




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Sophia Wilpert - Orchester Akademie